Von den Ängsten und Zweifeln vorm allein reisen… durch Mexiko und Südamerika

Da ich oft gefragt werde, ob ich nicht Angst hatte, als Frau allein durch Mexiko und Südamerika zu reisen, möchte ich heute gern etwas dazu schreiben und hoffe dir damit helfen zu können.

Auch ich hatte vor meiner Reise so manche Ängste und Zweifel. Das ist menschlich und ganz normal. Aber es tut so gut, diese zu überwinden, allen Mut zusammen zu nehmen und mal zu wagen, „ins kalte Wasser zu springen“. Ich verspreche dir, es kommt etwas Wunderbares dabei heraus. Nicht jeder Tag wird einfach. Auf keinen Fall. Aber am Ende wirst du voller neuer Erlebnisse und Entdeckungen sein und wenn du später an deine Reise zurückdenkst, wird dir das Kraft und neuen Mut geben und dir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Ist es das nicht wert?

Ich denke auf jeden Fall! 😊

Doch zurück zur Frage, ob ich Angst hatte während des Allein-Reisens. Zunächst einmal stelle ich mir die Gegenfrage: „Welche Angst könnte denn gemeint sein?“ Denn es gibt ja so viele verschiedene Ängste und ich bin mir sicher, dass nicht alle, die mir diese Frage gestellt haben, an die gleiche Angst dachten.

Die größte Angst ist vermutlich die vor einem Überfall, ausgeraubt zu werden oder vielleicht sogar noch schlimmer, körperlich misshandelt zu werden. Aber es können durchaus auch andere Ängste im Hinblick auf das Allein-Reisen auftauchen, z.B. lange Zeit von seinen Liebsten daheim getrennt zu sein. Niemanden vor Ort zu kennen, den man wirklich mag und dem man vertraut. Sich an unbekannten Orten zurecht finden zu müssen. Sich mit fremden Menschen in einer fremden Sprache unterhalten zu müssen, um z.B. von A nach B zu kommen. Angst davor, auf der Reise krank zu werden und dann niemanden zu haben, der sich um einen kümmert. Angst davor, nicht an alles gedacht zu haben und etwas Entscheidendes während der Reisevorbereitungen vergessen zu haben…

Sicherheit

Wenn ich mich zurückerinnere an die Zeit vor meiner Reise, dann sehe ich mich abwägen, ob ich nach Mexiko reisen sollte oder nicht und wenn ja, welche Vorsichtsmaßnahmen ich dabei beachten müsste. Bereits 2012 galt der Norden Mexikos als unsicher, vor allem die Grenzregion zu den USA. Ich hatte mir deshalb vorgenommen, nach Mexiko-Stadt zu fliegen und nicht nördlicher zu reisen, sondern dann einfach immer weiter Richtung Süden bzw. gen Osten bis auf die Yucatán-Halbinsel zu fahren. Zunächst hatte ich daran gedacht ein Pfefferspray zu besorgen. Ich bin dann aber wieder von dem Gedanken abgerückt, weil so ein Spray bei den meisten Airlines gar nicht mitgeführt werden darf (weder im Handgepäck noch im aufzugebenden Gepäck). Irgendwie fand ich den Gedanken ohne Pfefferspray zu reisen auch viel angenehmer und ich versuchte mir so oft wie möglich zu sagen, dass alles gut werden würde und ich Vertrauen haben sollte. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Dennoch hat mir der Glaube an das Gute schon oft im Leben weitergeholfen und so hatte ich tatsächlich auch während meiner Reise durch Mexiko weder Probleme noch eine Situation, in der ich Angst verspürte.

Schnellbootfahrt im Cañón del Sumidero

Neben einer positiven Einstellung haben mir aber vor allem gewisse Vorsichtsmaßnahmen geholfen. Ich habe z.B. von meiner Gastfamilie aus El Alto, Bolivien gelernt, vor Sonnenuntergang „daheim“ zu sein (In El Alto habe ich von November 2008 bis März 2009 gelebt und auf einem sozialen Projekt gearbeitet). Diesen guten Hinweis wendete ich auch während meiner Reise täglich an. Die einzigen Ausnahmen bildeten ein paar Abende, an denen ich z.B. in Puebla in Mexiko mit einem Freund und dessen Partnerin auf eine Feier eingeladen wurde und in Argentinien, wo ich mit anderen Backpackern zusammen tanzen war.

Da ich bereits vor meiner Reise wusste, dass ich abends immer in meinem Hostel sein würde, bereitete ich mich für diese Zeit vor und kaufte mir einen kleinen Laptop, auf dem ich meine täglichen Erlebnisse niederschrieb. Diese bilden nun den Hauptteil meines Buches: „Reisefieber – Als Frau allein durch Mexiko und Südamerika.“

Ich kann dir nur von Herzen empfehlen, deine eigenen Empfindungen und deine Erlebnisse beim Reisen niederzuschreiben. So prägt sich alles noch stärker ein und du kannst deine Erinnerungen später durch das Lesen deines Reisetagebuches immer wieder aufleben lassen.

Sich allein fühlen

„Niemanden vor Ort zu kennen, den man wirklich mag und dem man vertraut“ ist auf meiner Reise nicht wirklich vorgekommen, denn ich habe immer andere Backpacker in den Hostels getroffen, in denen ich übernachtete. Natürlich fand auch ich nicht jede(n) sympathisch, aber es gibt zumindest Gleichgesinnte und so kam ich mir nie ganz allein vor. Am schönsten fand ich es, gemeinsame Ausflüge zu unternehmen, z.B. Touren, die im Hostel angeboten wurden, entweder vom Hostel selbst oder von einer Agentur vor Ort. Besonders in Mexiko und in Argentinien habe ich viele Backpacker aus Deutschland, aber auch aus allen anderen Teilen der Welt getroffen. In Peru und Bolivien waren damals nicht ganz so viele Rucksackreisende unterwegs. Das lag aber vermutlich an der Reisezeit, denn im Dezember/Januar herrscht in den Anden Regenzeit. Natürlich muss man mit mehr Regen rechnen, aber dafür blüht die Natur auf und es ist durchaus auch angenehm, nicht ganz so viele Touristen anzutreffen.

Ausflug nach Mayapán, Mexiko

Es war noch nie so einfach wie heute, sich zu vernetzen und sich nicht allein zu fühlen. Die Technik macht es möglich! Egal, ob du bei Facebook, Instagram und Co. einer Reise-Gruppe beitrittst und dich austauschst oder einen eigenen Blog z.B. über WordPress eröffnest und deine Freunde einlädst, an deiner Reise „teilzunehmen“. Lass andere wissen, was du gerade machst. Du wirst immer Gleichgesinnte „treffen,“ die deine Leidenschaft teilen und mit denen es Spaß macht, sich auszutauschen. Mittlerweile gibt es auch kaum noch Hostels, in denen es kein Internet bzw. Computer gibt, die du nutzen kannst.

Sich allein zurechtfinden müssen

Sich an unbekannten Orten zurecht finden zu müssen und fremde Menschen nach dem Weg fragen zu müssen, fand ich persönlich immer sehr spannend. Glücklicherweise habe ich einen recht guten Orientierungssinn und da ich Spanisch spreche war das Kommunizieren mit der einheimischen Bevölkerung auch nicht allzu schwer. Wenn du eher zu den Frauen gehörst, die sich Hilfe holen zum Karte-Lesen, dann rate ich dir, einfach viele geführte Touren mitzumachen oder dich an Backpacker zu hängen, die Karte lesen können. Bei der Sprache empfehle ich dir unbedingt einen Crashkurs in Spanisch zu machen. Besser noch einen, bei dem du ein gewisses Grundverständnis erwirbst. Erstens gibt es dir viel mehr Selbstvertrauen und das kannst du beim Reisen allein gebrauchen und zweitens ist es wunderbar, nicht gleich als Tourist abgestempelt zu werden, sondern sich mit den Einheimischen unterhalten zu können. Du wirst erleben, dass es intensiveres Reisen bedeutet und das ist doch das, was du machen willst, oder nicht?

Krank werden

Um dich gegen Reiseübelkeit, Durchfall, Erkältung etc. abzusichern, nimm unbedingt eine Reiseapotheke mit auf deinen Trip. Glücklicherweise war mir nur einmal so richtig schlecht auf meiner Reise und das war in Puebla, Mexiko weil ich am Vortag in Taxco eine Kugel Eis gegessen hatte, was ich von einem Verkäufer auf der Straße gekauft hatte (Damals als ich gereist bin, kühlten die Straßenverkäufer ihr Speiseeis sowohl in Mexiko als auch in Südamerika in einer Isolierbox nur mit ein paar Eisklumpen, die natürlich über längere Zeit nicht den gewünschten Kühleffekt erzeugen, wie es eine Gefriertruhe ermöglicht). Zum Glück durfte ich in Puebla bei einem ehemaligen Studienkommilitonen übernachten, den ich damals besuchte. Er kannte sich natürlich vor Ort bestens aus und brachte mich umgehend zu einem Arzt. Dafür war ich ihm wirklich sehr dankbar.

Ausflug nach Taxco, Mexiko

Etwas Wichtiges vergessen

Schließlich könntest du noch Angst haben, irgendeine wichtige Sache für deine Reise vergessen zu haben. Glaube mir, es gibt wirklich wenige Dinge, die richtig wichtig und daher unverzichtbar sind. Alles andere kannst du notfalls auch vor Ort während deiner Reise kaufen. Was wirklich wichtig ist, sind natürlich dein Reisepass, deine Geldkarte(n) und deine Geldreserven (möglichst in US-Dollar) sowie eine Kopie deiner Auslandskrankenversicherungspolice. Weiterhin finde ich ein Reisetagebuch sehr wichtig. Hier empfehle ich dir, deine Gedanken bereits vor deiner eigentlichen Reise, nämlich während der Reisevorbereitung und in den 2 Stunden vor Reisebeginn hineinzuschreiben: wie fühlst du dich dabei, welche Erwartungen und eventuelle Unsicherheiten hast du vor der Reise?

Zudem empfinde ich gut eingelaufene Wanderstiefel bzw. Turnschuhe, je nachdem was du auf deiner Reise erleben willst, als unverzichtbar. Denn die möchtest du nicht erst vor Ort kaufen und dann einlaufen… Und schließlich willst du deine Erlebnisse vermutlich für immer in Bildform festhalten? Egal ob Spiegelreflexkamera oder Systemkamera oder Handy. Du solltest dich vorher mit den Vor- und Nachteilen einer jeden Option auseinandersetzen (Gewicht, Größe, Wie stark fällt die Kamera/das Handy auf? Wieviel Speicherplatz benötigst du? Musst du zusätzlich Speichermedien mitnehmen?). Ich persönlich wollte keine große und zudem schwere Kamera umhertragen. Stell dir vor, du trägst aller 3-4 Tage (je nachdem wie lang du üblicherweise an einem Ort verweilst) den großen Rucksack auf deinem Rücken (und wahrscheinlich einen kleinen auf dem Bauch – so habe ich das zumindest gemacht). Und das ist echt nicht leicht. Das war der Hauptgrund für mich nur eine kleine Kompaktkamera mitzunehmen, die wenig auffiel und zudem wenig wog. Wenn Fotografieren deine Leidenschaft ist, dann nimmst du natürlich deine Lieblingskamera mit und verzichtest dafür auf andere Sachen im Gepäck oder akzeptierst das Zusatzgewicht 😉

Mehr zum Thema Packen findest du hier.

Auf dem Weg zu den Ruinen von Cobá, Mexiko

Fazit

Und hier noch einmal die wichtigsten Punkte zum Thema „Angst vorm allein reisen als Frau“ zusammengefasst:

  1. Sicherheit: Positive Einstellung und Vorsichtsmaßnahmen beachten
  2. Sich allein fühlen: Backpacker vor Ort treffen und Gleichgesinnte bzw. Freunde über Social Media und/oder eigenen Blog
  3. Sich allein zurechtfinden müssen: geführte Touren machen oder an Backpacker hängen, die Landkarten lesen können; Spanisch lernen, um sich vor Ort verständigen zu können (gibt dir persönlich viel Sicherheit!)
  4. Krank werden: Reiseapotheke dabeihaben
  5. Etwas Wichtiges vergessen: Reisepackliste machen und wissen, dass es nur wenig schwer oder unersetzbare Dinge gibt

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