Von einer spannenden Zeremonie in San Juan de Chamula, Mexiko…

…möchte ich dir heute berichten.

Wo liegt denn dieser Ort? San Juan de Chamula oder kurz Chamula genannt, ist ein kleines Dorf in der Nähe von San Cristóbal de las Casas im wunderschönen grünen Staat Chiapas. Es liegt auf einer Höhe von 2.260 m und hat lediglich ca. 3.300 Einwohner.

Folgendes habe ich dort vor 8 Jahren erlebt (Auszug aus meinem Buch):

Wir, drei Israelis, eine Japanerin und ich – welch interessante Mischung, das Reisen macht es möglich – fahren mit einem Minibus nach San Juan de Chamula, einer der Gemeinden, in denen noch heute einzig und allein die Gesetze der Ureinwohner befolgt werden. Außerdem ist das Dorf für seine Kirche bekannt. Dort werden nämlich sehr interessante Zeremonien der indigenen Bevölkerung abgehalten, in denen die Mischung der Glaubensrichtungen sehr gut zur Geltung kommt. Der gesamte Boden der Kirche ist von Kiefernadeln bedeckt. Überall gibt es Stellen, an denen Betende schmale Kerzen mit Wachs auf dem Boden befestigen. Die meisten Leute haben Erfrischungsgetränke als Opfergabe dabei. Noch vor einigen Jahrzehnten war es „Posch“, ein Saft aus Zuckerrohr bzw. Zuckerrohrschnaps. Heute ist es einfach eine Plastikflasche Coca-Cola oder eine andere Limonade. Manchmal werden auch Hühner in die Kirche zur Opferung gebracht. Das denke ich zumindest. Denn anfangs, als ich die Kirche betrete, sehe ich eine Familie, die ein lebendiges Huhn dabeihat und später, als ich hinausgehe, ist es tot. Es ist auch üblich, sich mit Eiern einzustreichen. Leider bekommt man nicht erklärt, welches Hilfsmittel wann und zu welchem Zweck verwendet wird, aber es ist sehr interessant, die vielen Statuen der katholischen Heiligen zu sehen und daneben die Bräuche der Einheimischen zu erleben. Es ist ein wahrer Mix aus Glauben und Anbetung.

Im Nachhinein habe ich gelesen, dass tatsächlich Hühner zur Zeremonie gehören und dass die amerikanischen Erfrischungsgetränke gern genutzt werden, weil das Rülpsen zur Zeremonie gehört (jeder weiß, wie gut es sich von Coca Cola, Fanta und Sprite rülpsen lässt 😉). Damit beschwört der Schamane die schädlichen Geister, die z.B. bei einem Menschen eine Krankheit ausgelöst haben, in ein Huhn – ja du hast richtig gelesen! – in ein Huhn zu fahren, das anschließend getötet wird.

Wenn du dich einmal in San Cristóbal de las Casas aufhalten solltest, empfehle ich dir dieses „Schauspiel“ einmal mitzumachen und es mit eigenen Augen zu sehen. Es gibt offiziell keine Fotos davon, da in der Kirche ein Fotografie-Verbot herrscht. Auch ich habe nur ein paar Bilder von außen gemacht…

Was ich dir sonst noch in und um San Cristóbal de las Casas empfehlen kann:

  • San Cristóbal ist ein wunderschöner Ort mit bunten Kolonialhäusern und vielen Restaurants, Hotels und Hostels…touristischer als man denken würde. Was ich dir für San Cristóbal unbedingt empfehle ist, eine dicke Fleece-Jacke und möglichst noch eine gut isolierende Jacke dabei zu haben, denn du befindest dich hier auf 2.100 m und die Nächte waren Anfang November, als ich gereist bin, ziemlich frisch.
  • Nimm an einer geführten Tour zum Cañón del Sumidero teil – dort kannst du vom Motorboot aus Krokodile beobachten und siehst wundervolle Felsformationen und andere Naturphänomene.
  • Lass dich vom Grün des Staates Chiapas begeistern z.B. auf einer Tour, bei der du den Wasserfall El Chiflón und die schöne Seenlandschaft Lagunas de Montebello besuchst. Es ist eine lange Tagestour und du sitzt recht lang im Fahrzeug. Ich fand es trotzdem schön, entlang der vielen grünen Felder mit Zuckerrohr, Mais etc. zu fahren und die Gedanken kommen und gehen zu lassen.

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